Das können wir tun

Man hört sehr oft, „die da oben“ müssten etwas tun. Und dass man selbst ja gar nichts verändern könne. Wenn jeder so denkt, wird sich auch nichts ändern, denn eine Veränderung hat stets im Kleinen begonnen und sich dann verbreitet.

Sehr großes Potential liegt in den privaten Garten- und Grünflächen. Diese sind zusammengerechnet größer als alle Naturschutzgebiete in Deutschland zusammen.

Selbst ein Balkon oder ein Blumenkübel vor dem Haus ändert etwas zum Positiven. Dies kann natürlich kein Naturschutzgebiet ersetzen. Doch kann es sehr wohl Teil eines Netzes sein, das es Insekten, Vögeln und anderen Tieren ermöglich, in unserer aufgeräumten Kulturlandschaft zu überleben. Es gibt sehr schöne und einfache Möglichkeiten, den Garten kreativer zu gestalten, anstatt ihn mit Schotter zuzuschütten. Und eines vorweg: Gift hat in unseren Gärten nichts zu suchen – und ist auch nicht nötig, wenn ein biologisches Gleichgewicht herrscht.

Löwenzahn und Traubenhyazinthe

Tipps

  • Lassen Sie in Ihrem Garten einige wilde Ecken, in denen Wildkräuter Platz finden. Dazu zählen:
    • Löwenzahn
    • Storchschnabel
    • Disteln (Pollen für Bienen, Samen für Vögel)
    • Acker-Winden
    • Brennnesseln (Die Futterpflanze vieler Raupen von Tag- und Nachtfalterarten!)
    • Taubnesseln
Der Distelfink, auch Stieglitz genannt, füttert seine Jungen vor allem mit Distel-Samen.
Der Distelfink, auch Stieglitz genannt, füttert seine Jungen vor allem mit Distel-Samen.
  • Heimische Pflanzen

    Pflanzen Sie möglichst einheimische Gewächse und solche, die Insekten und Vögeln auch Pollen, Nektar und Samen bieten.

  • Hecken sind hervorragende Lebensräume.

    Sie können Futterquelle, Nistplatz und Unterschlupf zugleich sein. Allerdings sollte man darauf achten, dass die einzelnen Sträucher einen ökologischen Nutzen für unsere Tierwelt erfüllen. Dazu zählen u.a.

    • Kornelkirsche
    • Holunder
    • Feuerdorn
    • Schlehe (oder Schwarzdorn)
    • Weißdorn
    • Bocksdorn
    • Kätzchenweide (sehr wichtig für Insekten als erster Pollenspender im Frühjahr)
    • Brombeere

Eine allgemeine Übersicht zum Thema Hecken bietet der NABU. Wer direkt erfahren möchte, welche Sträucher aus ökologischer Sicht geeignet sind, wie groß sie werden und wann sie blühen, Früchte tragen und welchen Standort sie benötigen, der wird hier fündig.

  • Nistkästen für Vögel

  • Neben Lebensraum und Futterquellen fehlen unseren heimischen Vögeln vor allem Nistmöglichkeiten. Viele von ihnen sind Höhlenbrüter, die ursprünglich in Baumhöhlen ihren Nachwuchs groß gezogen haben. Auch Nischenbrüter finden immer seltener einen Platz, da alte Gebäude abgerissen, saniert und wärmegedämmt werden. Es ist relativ einfach, den Tieren zu helfen, indem wir Nistkästen schaffen und sie anbringen.
    Der NABU bietet eine Übersicht, wie wir Kohlmeisen, Rotkehlchen & Co. einen Nistkasten selbst bauen können.
  • Auch der Star braucht unsere Hilfe, denn seine Bestände gehen in Deutschland auch immer weiter zurück. Wie man einen Starenkasten baut, zeigt diese Video.

 

 

 

  • Ist man handwerklich nicht so begabt, kann man die Nistkästen auch z.B. im Nabu-Shop kaufen.

 

  • Naturschutz im Blumenbeet

  • Wer nicht so viel Platz hat für eine Hecke der findet vielleicht Raum für ein ökologisch wertvolles Blumenbeet. Mit ihm kann er sowohl Insekten eine Futterquelle bieten, als auch den Vögeln. Denn die fressen ja auch Insekten. Wie bei den Sträuchern sollte man jedoch auch bei den Blumen darauf achten, sich möglichst heimische bzw. ökologisch sinnvolle Pflanzen in den Garten zu holen. Und zugleich sollte man auch möglichst durchgehend ein Blüten-Buffet schaffen.
    • Für Spätwinter und Frühjahr
      • Winterlinge
      • Schneeglöckchen
      • Krokusse
      • Hyazinthen
      • Tulpen
      • Narzissen
      • Traubenhyazinthen
    • Für den Frühsommer und Sommer
      • Lavendel
      • Salbei
      • Thymian
      • Rosmarin
      • Königskerze
      • Nachtkerze
      • Glockenblumen (ganz wichtig für viele Wildbienenarten)
      • Anis-Ysop
      • Ysop
      • Zitronenmelisse
      • Malven
      • Stockrosen
      • Echte Karde
      • Gewöhnliches Seifenkraut
      • Labkraut
      • Natternkopf
      • Zierlauch
      • Mauerpfeffer

Auch hier bietet der NABU einige gut aufbereitete Informationen und einen weiteren Überblick zum Thema.

Winterlinge noch im Schnee
Winterlinge noch im Schnee

Wer nun keinen Platz im Garten hat, oder vielleicht gar keinen Garten, der kann selbst auf dem Balkon einiges für den Schutz unserer Natur tun. Der NABU hat hierzu ein kleines Video veröffentlicht mit tollen Tipps, und sogar noch einer Anleitung für den Bau eines Wildbienen-Hotels.

 

 

 

  • Wildbienen-Hotels

  • Beim Kauf und auch beim Selbstbau gibt es einiges zu beachten, damit die Nisthilfe nicht gemieden oder gar zur Gefahr für die Bienen wird:
    • Bohrlöcher sollen mindestens 2 Zentimeter tief in nicht gerissenes, unbehandeltes Holz gebohrt werden.
    • Niemals koplett durch das Holz bohren, die Röhre muss an der Rückseite verschlossen sein.
    • Nicht zu schnell bohren, denn wenn sich der Bohrer zu sehr aufheizt, wird das Holz ebenso heiß und dadurch ist es nicht mehr attraktiv für die Bienen
    • Keine Späne oder Splitter in den Bohrlöchern belassen. Die Ränder müssen mit Schmirgel-Papier sauber glatt geschliffen werden. Da die Bienen vorwärts in die Röhre kriechen, um den Pollen zu positioneren, und dann rückwärts, um die Eier abzulegen, könnten sich die Flügel in den Holzsplittern verkeilen. Die Folge: Flügelbruch und somit Tod der Biene.
    • Man kan auch Konservendosen mit hohlen Pflanzenstängeln füllen. Die liefert u.a. der Holunder oder das Schilfgras. Was hierbei jedoch auch wichtig ist: Die Stängel dürfen nicht gerissen sein und müssen auf der Rückseite verschlossen bleiben. Nur dann zieht eine Biene ein.
    • Der Ort des Bienen-Hotels sollte auch gut gewählt werden.
      • Sonnig oder halbschattig
      • Trocken und abgewandt von der Wetterseite
      • Am besten in der Nähe eines Blumenbeets, denn je kürzer die Bienen fliegen müssen, desto mehr Nachwuchs können sie ablegen. Ihr Flugradius ist ohnehin relativ begrenzt.

Auch hier ein allgemeiner und mehr in die Tiefe gehender Überblick des NABU.

 

Wildbiene im Anflug
Wildbiene im Anflug
  • Naturteich und Trockenmauer

  • Das sind Lebensräume für Frösche, Teichmolche, Wasserinsekten und Eidechsen. Wer ein solches Projekt plant, sollte sich genau informieren.So darf ein Naturteich keinen Filter enthalten, da durch den Wasserstrom ansonsten die unterschiedlichen Wasserorganismen durcheinander gewirbelt werden, die verschiedene Temperaturbereiche benötigen.
    Dafür braucht ein solcher Teich sehr viele Unterwasser-Pflanzen sowie Sumpfpflanzen für den Randbereich, damit das Wasser gefiltert und mit Sauerstoff angereichtert wird.
    Auch hier hat der NABU einige Informationen zusammengestellt. Ein solcher Teich ist dabei nicht nur Refugium für Amphibien oder Wasserinsekten. Er nützt auch „Land-Insekten“ als Nektar- und Wasserstelle, Vögel freuen sich ebenso über das Wasser – zum Trinken und zum Baden.

Zum Lebensraum Trockenmauer hat der NABU ebenfalls Informationen parat. Man kann diese mit relativ wenig Kostenaufwand selbst bauen. Feldsteine, die vielleicht ein Landwirt oder Winzer ohnehin loswerden will, sind hervorragende Baumaterialien. Auch alte Dachziegel, Backsteine oder Bruchsteine können genutzt werden.
Zunächst wird die Erde etwa 20 Zentimeter tief ausgehoben, dann mit Kieselsteinen oder Schotter als Drainage befüllt. In der Mitte wird ein wenig Bauschutt, gröbere Steine und eine große Portion Sand aufgefüllt. Und dann werden drumherum die Steine entsprechend aufgeschichtet. Dazwischen weden schmale Spalten gelassen, und in der Mauer stabile Hohlräume geschaffen, damit dort die Eidechsen hindurch klettern können. Sie nutzen nämlich vor allem auch den Innenbereich, in dem sich auch der Sand befindet. Dort legen sie ihre Eier ab. Sie freuen sich über einige Holzscheiben vom Baumschnitt rundherum, die sich bei Sonneneinstrahlung aufheizen.

Wenn wenn Sie einen Platz für ein solches Refugium haben, der möglichst sonnig und etwas abseits im Garten liegen sollte, tauchen bald vielleicht auch diese bedrohten Mini-Saurier auf…

Zauneidechse
Zauneidechse