Mauereidechse

Das Sandarium auf dem Gelände der Caritas hat mindestens zwei Bewohner. Sie haben zwar keine Flügel, sind aber ebenso schnell weg, wenn man sich ihnen nähert. Das musste ich feststellen, als ich die letzten Tage die Pflanzen gegossen habe und plötzlich etwas in die nahe Hecke huschte. Es folgte ein zweites Wesen, das direkt aus dem Sandarium kletterte und flink in den Schutz der Hecke schlängelte. Aber es war nicht schnell genug, um unerkannt zu bleiben…

Ja, zwei Mauereidechsen haben sich am Sandarium eingefunden.

Mauereidechse an der Beller Kirche

Mauereidechse an der Beller Kirche

Die bis zu 25 cm langen Tiere sind bekanntlich bedroht und besonders geschützt. Und wer sich mit ihrer Lebensweise befasst, kommt ins Staunen. Die kleinen Tiere haben eine Lebenserwartung von 5-10 Jahren. Das heißt, 5-10 Winter überstehen, und dies schaffen die wechselwarmen Tiere vor allem nur dann, wenn sie einen frostfreien Platz zum Überwintern finden. Dort fallen sie in die so genannte Winterstarre, können sich praktisch kaum noch bewegen, fahren ihren Stoffwechsel extrem runter und zehren von ihren Fettreserven.

Mauereidechse

Ihr Organismus ist von der Wärme und Sonneneinstrahlung abhängig. Deshalb kommen sie erst bei 18°C Außentemperatur aus ihrem Versteck, und werden so richtig aktiv, wenn es warm ist. Das heißt, zu warm ist auch nichts für die Tiere. Steigt ihre Körpertemperatur über 42°C kann das ihren Tod bedeuten. Deshalb ziehen sie sich auch gerne mal in eine schattige Hecke zurück. Die durchschnittliche Körpertemperatur liegt bei 32°C.

Eidechsen-Männchen verteidigen energisch ihr Revier, kämpfen erbittert, verbeißen sich ineinander und so geht auch der eine oder andere Eidechsen-Schwanz verloren, den die Tiere abstoßen können. Allerdings sorgt ein verlorener Schwanz wohl dafür, dass die Tiere eine niedrigere Lebenserwartung und -qualität haben. Und ein Nachwachsen des Ersatzes, der nicht vergleichbar mit dem Original ist, kostet sehr viel Energie und macht die Tiere besonders während dieser Nachwachsphase sehr viel verwundbarer.

Mauereidechse

Die Weibchen legen 2-3 mal im Jahr 2-8 Eier, oftmals unter Steinen oder in selbst gegrabene Gänge. Bei Geburt sind die Kleinen 6 cm lang und sind sofort auf sich allein gestellt. Sie jagen auch direkt nach kleinen Beutetieren.

Zum Jagderfolg trägt ihr guter Sehsinn bei. Die Tiere können wohl auch Farben sehr gut erkennen. Gleichzeitig riechen die Echsen mit ihrer Zunge, mit der sie auch hervorragend tasten können. Neben ihrer Nase trägt das „Jacobsonsche Organ“ zum Riech-Erfolg bei. Und der ist bei der Eidechse wichtig, denn wenn sie mit Hilfe ihrer Zunge Duftmoleküle aus der Umgebung aufnimmt, und sie dann zu diesem Organ führt, erhält sie viele Infos über das anvisierte Beutetier: Wie groß ist es, was ist es für eine Art und wie schmeckt es?

Zu ihren Beutetieren zählen Heuschrecken, Zikaden, Käfer, Wanzen, Ameisen, Fliegen, Schmetterlingsraupen, Regenwürmer, Spinnen, nur ab und zu Samen und Früchte.

Ihre Ohren sind als kleine Öffnung am Kopf zu erkennen, aber ihr Hörsinn ist nicht gut ausgeprägt. Wahrscheinlich können sie selbst auch Töne von sich geben, Quietschen oder Krächzen wurden offenbar schon beobachtet. Allerdings dient dies vorwiegend der Revierabsteckung oder dem Drohen, und weniger einer umfangreichen Kommunikation.

Feinde haben die Tiere auch, dazu zählen u.a. Greifvögel. Allerdings haben die Eidechsen eine kleine Geheimwaffe direkt auf ihrem Schädel. Dabei handelt es sich um das „Scheitelauge“, eine Öffnung mit Sinneszellen, die mit einer transparenten Schuppe abgedeckt ist. Diese hat wohl verschiedene Funktionen, dient vor allem der Unterscheidung von Hell und Dunkel. Und sie erkennt somit auch Bewegungen von Greifvögeln.

Schützen kann man die Tiere übrigens auch sehr gut: Steinhaufen mit Sand, eine Kräuterspirale mit Sandfüllungen, Hölzer und Astscheiben sind ideale Plätze für die Tiere. Wichtig ist, dass der Bereich wenig frequentiert ist, damit die Tiere nicht dauernd gestört werden. Und natürlich braucht es drumherum viele Beutetiere. Deshalb tut man mit einer Blühwiese und einer Hecke aus (heimischen) Sträuchern nicht nur Insekten was Gutes, oder Vögeln, sondern auch den Eidechsen.

Diese Fotos sind übrigens nicht an der Caritas entstanden, sondern an der Beller Kirche bei Eckelsheim. Die Bodenheimer Echsen waren (noch) zu schnell, und ich hatte nur das Smartphone dabei, nicht die Kamera… 🙂

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